Die Regenzeit hat hier alles zum bluehen gebracht;)
Wie Ihr alle sicherlich aus meinen vergangenen Blogeinträgen herauslesen konntet, war die Arbeit an der Schule Kusi Kawsay nicht immer ganz einfach für mich. Alle Dinge, die ich einführen, verändern oder mit den Kindern machen wollte, wurden abgelehnt. Dieses Ablehnen der Schule war zwischenzeitlich sehr hart für mich, besonders im Dezember, da alles was mit dem christlichen Glauben zu tun hatte, abgelehnt wurde, so beispielsweise auch meinen, stundenlang gebastelten, Adventskalender oder mein Vorschlag mit den Kindern Sterne zu basteln. Ich hatte keine Möglichkeit etwas an der Situation zu ändern, merkte aber gleichzeitig, dass ich durch die Tatsache, nie etwas Eigenes in den Unterricht einbringen zu können, immer unmotivierter wurde.
In den Ferien habe ich mir dann überlegt, dass ich den Kindern gerne Blockflötenunterricht geben möchte, da diese bisher keinen musikalischen Teil in ihrem Unterricht haben. Ich schrieb also einen Spendenaufruf an meine alte Schule in Deutschland und bat um Blockflötenspenden. Doch als den Verantwortlichen meine Idee vorgeschlagen wurde, wurde auch diese wieder abgelehnt mit der Begründung, Blockflötenunterricht sei zu „westlich“. Auch wenn es alles nur Kleinigkeiten sind, bekommt man doch das Gefühl, dass man ausschließlich als Arbeitskraft hier ist und überhaupt kein Interesse am gegenseitigen Kulturaustausch besteht. Was gerade für einen Freiwilligen der mit seinen Vorstellungen und Vorbereitungen in ein so fremdes Land kommt sehr hart ist.
Als ich Mitte Februar dann erfuhr, dass ich nach den Ferien, die noch bis März gehen, mit Lena tauschen werde und im Kindergarten arbeiten soll, war meine Motivation, schon vor Arbeitsbeginn wieder am Boden. Da ich von Anfang an in meinem Sozialen Jahr nicht mit Behinderten und nicht im Kindergarten arbeiten wollte. Hier angekommen musste ich erst das eine machen, habe mich mit damit arrangiert und nun muss ich das andere auch noch machen.
Den Februar haben wir damit verbracht die komplette Schule zu putzen, Tische und Stühle zu säubern, Fenster zu putzen, Böden einzuwachsen usw. Danach haben wir die kompletten Spielsachen des Kindergartens Bauklötze, Puppen, Puppenkleider, Spieltücher, Schützen, Schneckenbänder, usw. per Hand gewaschen und die Sachen die es nötig hatten ausgebessert. Dann haben wir für die erste Klasse Wachsmalblöckchenstiftemäppchen genäht. Die Klasse wird aus 24 Schülern bestehen, die letzte bestand aus 10 und der Klassenraum war schon recht gefüllt.
Den Rest der Zeit haben wir damit verbracht für die komplette Schule Malunterlagen herzustellen.
Lena beim Malunterlagen basteln;)
In der letzten Februar Woche hatten wir unser Zwischenseminar in Lima. Es ist für jeden weltwärts Freiwilligen Pflicht und ging von Montag 21.02.2011 bis Freitag den 25.02.2011.
Am ersten Tage hat jeder sein Projekte und seine Rolle in seinem Projekt vorgestellt. Jeden Abend hatten wir Volkstanzunterricht, was super viel Spaß gemacht hat aber auch sehr anstrengend war.
Am zweiten Tag haben wir in kleinen Gruppen unseren bisherigen Dienst reflektiert, den wir vorher in einer Arbeits- Kurve und einer Stimmungs- Kurve dargestellt hatten . Das fand ich sehr interessant, weil man sich so noch einmal in verschiedene Situationen der vergangenen sechs Monate versetzen musste.
Am Mittwoch fuhren wir nach dem Frühstück in eins der ärmeren Viertel von Lima. Dort wurden wir in kleineren Gruppen von einer Mitarbeiterin einer Fraueninitiative in drei verschiedene Comedores geführt. Die Comedores sind mit unseren Suppenküchen in Deutschland zu vergleichen. Sie sind durch einen Zusammenschluss von Frauen, speziell von jungen Müttern gegründet worden. Jeden Tag arbeiten drei bis vier andere Mütter dort, jede arbeitete jede Woche einmal. Es wird täglich (außer Sonntags) für ca 90-150 Menschen gekocht. Diese kommen zwischen 12:00 Uhr und 13:00 Uhr dort hin und holen sich ihr Essen, was aus einem drei Gänge Menü besteht , ab. Es gibt drei Arten von Comedores, Kindercomedores, Familiencomedores und Erwachsenencomedores. Von der Art hängt auch der Preis ab, während die Kinder 50 Centimos (ca 15 Cent) bezahlen, liegt der Preis bei den andern beiden zwischen 90 Centimos und 1,20 Soles.
Diesen Ausflug fand ich sehr interessant und schön, auch wenn ich mich in dem Viertel teilweise sehr unwohl gefühlt habe. Man wird als Weiße gerade in solchen Vierteln sehr angestarrt. Die meisten begegnen einem unheimlich freundlich, es gibt jedoch auch das Gegenteil. Uns Mädchen wurde auch sehr oft etwas hinterher gerufen, oder die Leute haben angehalten und uns angestarrt. Es war auch ein recht gefährliches Viertel, so meine unsere Führerin, die dort wohnt, auch sie könnte Abends und Nachts nicht auf die Straße gehen. Überall auf dem Weg den wir gegangen sind, hat man immer wieder Bandenzeichen, mit denen sie ihr Revier abstecken, gesehen. Von den Frauen in den Comedores wurden wir jedoch sehr herzlich aufgenommen und man hat ihnen angemerkt, dass sie sich über unseren Besuch freuen. Wir haben beim Kochen mitgeholfen, uns mit ihnen unterhalten und Fragen gestellt. Es war eine sehr schöne Stimmung. Am Ende haben wir dann auch dort gegessen, wurden aber eingeladen und durften nichts bezahlen.
Nachmittags waren wir dann in einem Projekt, wo ebenfalls Freiwillige von uns arbeiten. Es nennt sich Runanyay und war die Stelle wo ich am liebsten in Peru hingegangen wäre. Diese Einrichtung arbeitet mit Jugendlich mit schwieriger Vergangenheit, viele haben häusliche Gewalt miterleben müssen oder haben eine Bandenvergangenheit. Die Jugendlichen kommen in ein 3 jähriges Programm, das ihnen hilft ihr Leben zu ordnen und ihnen zeigt, wie sie selbstständig leben können. Es werden Ausbildungen oder auch Wohnungen für sie gesucht. Zusätzlich werden in der Einrichtung Workshops angeboten, und die hergestellten Produkte werden dann verkauft und der Erlös wird an die Jugendlichen weiter gegeben.
Dort haben wir uns mit einigen Jugendlichen der Einrichtung getroffen, mit ihnen Volleyball gespielt, uns mit ihnen unterhalten und abends haben wir alle zusammen mit unserem Tanzlehrer getanzt.
Donnerstagmorgen hat Lourdes, unsere Chefin, einen interessanten Vortrag über die Geschichte Perus gehalten. Nachmittags würde dann darüber diskutiert, was weltwärts für uns bedeutet. Da kamen sehr viele Meinungen zu Tage.
Lourdes und ich
Am Freitag haben wir einen Ausblick gemacht, in dem sich jeder noch mal Zeit genommen hat und sich überlegt hat was er ändern möchte und was er in der verbliebenen Zeit noch machen möchte. Diesen Ausblick fand ich sehr gut und ich denke er hilft, dass man nicht am Ende seines Jahres merkt, was man alles noch machen wollte.
Im Nachhinein muss ich sagen, hat mir das Seminar sehr viel gebracht. Und obwohl ich diese Probleme in der Schule habe und wir auch immer wieder große Probleme mit Lourdes haben, habe ich auf dem Seminar gemerkt, dass ich eine der schönsten und vor allem der sinnvollsten Stellen habe. Meine Stelle kommt meiner Vorstellung von dem weltwärs- Programm am Nächsten. Und ich würde auch mit guten Gewissen sagen, dass wir auch am meisten von der peruanischen Kultur mitbekommen. Da es einfach etwas anderes ist in einem kleinen Andendorf zu wohnen oder in der Millionenmetropole Lima. Ich freue mich nun auch total auf die Zukunft, in der sich, wie ich gleich noch berichten werde, einiges grundlegend ändern wird.
Lena, Lourdes, Mareike und ich
Um Weihnachten herum, gab es einen großen Bruch mit der Schule und unserer Chefin Lourdes. Wir wissen nicht genau, was da vorgefallen ist. Tatsache ist jedoch, dass auch sie vieles nicht umsetzten konnte, was sie wollte, weil es den Leitern der Schule zu wenig mit ihrer Kultur zu tun hatte. Lourdes ist nun aber kein Mensch der sich etwas vorschreiben oder verbieten lässt. Da kam ihr der Gedanken wegzuziehen. Erst hieß es für uns, dass wir nach den zwei Wochen, die wir im Juli im Urwald arbeiten werden, nach Tarapoto ziehen werden. Tarapoto liegt am Urwald im Norden Perus. Dort möchte Lourdes ein neues Projekt mit Kindern auf die Beine stellen.
Nun hat sie mit den Freunden der Erziehungskunst schon alles abgeklärt und sich dazu entschieden, dass wir bereits Ende April dort hinziehen werden. Das heißt für uns, dass wir nur noch zwei Monate an dieser Schule arbeiten müssen und uns danach endlich frei in unserer Arbeit entfalten können. Auf der anderen Seite müssen wir das, was wir uns in dem letzten halben Jahr aufgebaut haben, sowie alle Freunde und Bekannte hinter uns lassen und noch einmal ganz von vorne anfangen.
Daher sind meine Gefühle was den Umzug angeht sehr gemischt. Denn es ist schon nicht einfach irgendwo völlig neu anzufangen und es ist auch sehr schade, weil es uns hier mittlerweile sehr gut geht. Auf der anderen Seite wüsste ich auch nicht wie ich diese Arbeit hier ein weiteres halbes Jahr aushalten sollte. Daher freue ich mich was die Arbeit angeht wahnsinnig auf das neue Projekt und im Gegenzug dazu dämpft der Abschied meine Freude natürlich schon ein wenig.
Aber da ich hier ja eigentlich zum Arbeiten bin und diese 8 Stunden meines Tages ausmachen, ist meine Freude größer.
Eine weitere Veränderung, die uns hier ab März betrifft, ist, dass wir zwei Mal die Woche in einer Abendschule hier in Pisac unterrichten werden. Wir haben vor, zu Dritt eine Art Musikprojekt auf die Beine zu stellen, ob das jedoch klappt, wird sich erst noch heraus stellen.
Nun kommen Anfang März auch mal meine Eltern auf die ich mich wahnsinnig freue!!!
Ich hoffe bei euch lässt die Kälte nun auch langsam nach und ihr habt einen wunderschönen Frühlingsanfang.
Am Strand in der Naehe von Lima, wo wir das Wochenende vor dem Seminar waren
Im Wasserpark in Lima, wo wir das Wochenende nach dem Seminar waren;)
Liebe Grüße aus Peru
Eure Anna-Lena