Dienstag, 5. April 2011

Bergfest

Nun ist es auch schon so weit, am 15.März stand mein Bergfest an und nun ist auch schon meine erste Hälfte meines Auslandsjahres hier in Peru vorbei.
Wie ich ja schon in meinem letzten Blogeintrag angekündigt hatte, arbeite ich nun mit Mareike im Kindergarten.


Mein Arbeitsalltag im Kindergarten von Kusi Kawsay sieht folgendermaßen aus: Gegeg 7:30 Uhr gehe ich zusammen mit Mareike, die ebenfalls im Kindergarten arbeitet, aus dem Haus.
Im Kindergarten angekommen, bereiten wir dann erst einmal alles vor ( kehren, frisches Wasser holen, etc.) bevor die ersten Kinder kommen. Die Kinder können sich zunächst in der Freispielzeit selbständig beschäftigen, während ich mit drei Kindern das mitgebrachte Obst für den Früchtesalat kleinschneide. Dann wird gemeinsam aufgeräumt und wir gehen mit den Kindern zum Hände waschen. Danach leitet Sara die jeweilige Tagesaktivität an, bei der wir sie unterstützen: montags Malen mit Wachsmalblöckchen, dienstags Aquarellfarbenmalen, mittwochs Brot backen, donnerstags Malen mit Wachsfarben und freitags gibt es ein Bastelangebot oder ähnliches. Nach dieser Aktivität gehen wir nochmal gemeinsam zum Händewaschen. Dann folgt die "Ronda", ein jahreszeitlich angepasster Liedreigen und anschließend essen alle zusammen den Früchtesalat. Danach gibt es noch einmal eine Freispielzeit, die dann draußen stattfindet. Den Abschluss des Morgens bildet eine Märchenerzählung, wobei sich das Märchen über mehrere Wochen wiederholt.
Während der Aktivitäten ist es unsere Aufgabe, die Kinder still zu halten, damit die Erzieherin Sara ihr Programm durchführen kann. Leider sind in diesem Jahr zu viele Kinder (26!) für den Kindergarten aufgenommen worden, die in dem kleinen Raum zu wenig Platz zum Spielen haben. Zudem ist eines der Kinder behindert und braucht eigentlich eine Sonderbetreuung. Von daher ist unsere Aufgabe nicht immer ganz leicht zu bewältigen. Nach der Kindergartenzeit räumen Mareike und ich alles auf, fegen den Boden, spülen ab und richten den Raum für den nächsten Tag wieder her.
Nachdem wir den Kindergarten aufgeräumt haben, gehen Mareike und ich runter in die Schule und helfen dort Lena dabei, jeden Salon der Schule zu putzen.
Jeden Donnerstagnachmittag findet eine Lehrerkonferenz statt, in der unsere Chefin Lourdes pädagogische Arbeitsweisen mit den Lehrern spricht und allgemeine organisatorische Dinge besprochen werden.


Bisher kannte ich Sara nur aus den Erzählungen von Lena und Mareike, doch nun habe ich sie auch selbst kennen gelernt. Leider hat Sara mich mit keinem Wort in den Kindergartenalltag eingeführt und mir auch keine konkreten Aufgaben zugeteilt. So stand ich in den ersten Tagen einfach oft da und wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte. An Saras Reaktionen konnte ich nur oft genug "ablesen", dass ich etwas nicht richtig gemacht habe. Auch auf Nachfragen meinerseits habe ich keine Anweisungen oder Erklärungen erhalten, was die Arbeit in der Gruppe äusserst schwer macht. Dass es nun schon halbwegs "läuft", habe ich Mareike zu verdanken, die mir sehr viel gesagt und erklärt hat. Sara und ich haben auch ein Problem mit der Verständigung, da sie sehr undeutlich Spanisch spricht, was ich nicht immer verstehen kann. Obwohl wir noch nicht lange zusammen arbeiten, musste ich mich schon sehr oft zusammen reißen um nicht vor den Kindern die Nerven zu verlieren. Es macht den Eindruck, dass Sara mit den vielen Kindern (26) völlig überfordert ist. Sie reagiert in gleichen Situationen völlig unterschiedlich, so dass wir und auch die Kinder nie wissen, woran wir eigentlich sind. Es gab auch schon einige Situationen, in denen sie mich oder Mareike einfach am Arm gepackt hat, uns weggezogen hat und uns vor den Kindern bloß gestellt hat. Es ist einfach schwierig für mich, sich richtig in die Arbeit einzubringen, da ich immer befürchten muss, wieder alles falsch zu machen. Das finde ich sehr schade, denn die Arbeit mit den kleinen Kindern macht mir wider Erwarten sehr viel Spaß. Manches Mal kann ich den Unmut der Kinder oder ihren Widerstand gegen Saras Anweisungen oder Forderungen nur zu gut verstehen.
Wenn Lourdes weitere Pläne eingehalten werden, wird das Ganze ja nur bis zum 28. April dauern. Denn dann geht es hoffentlich endlich nach Tarapoto, wo wir ein ganz neues Projekt mit aufbauen dürfen, in das wir dann endlich auch mal Eigeninitiative mit einbringen können;) Darauf freue ich mich schon wahnsinnig!!!

Eine große Schattenseite hat der Umzug jedoch leider. Denn meine beste Freundin, Anne-Sophie, die gerade ihren Freiwilligendienst in Brasilien absolviert, wird Anfang Juni für 10 Tage nach Cusco kommen. Ich hoffe dass es mir irgendwie möglich ist, in dieser Zeit ebenfalls noch einmal hier zu sein. Dies wird sich jedoch erst Ende nächster Woche entscheiden. Vielleicht hilft es ja, wenn ihr uns die Daumen drücken würdet:)

Auch waren diesen Monat endlich meine Eltern zu Besuch hier. Wir hatten das Glück, uns einiges zusammen ansehen zu können, anderes mussten sich sich alleine angucken, weil ich arbeiten musste. Es war eine sehr schöne, jedoch viel zu kurze Zeit mit ihnen. Dennoch bin ich sehr dankbar für ihren Besuch, denn nun können sie sich ein besseres Bild von meinem Leben hier machen und können auch mit meinen Erzählungen mehr anfangen.

Ich hoffe es geht euch allen Gut!
In diesem Sinne auf eine spannende zweite Halbzeit!

Eure Anna-Lena

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