Mittwoch, 27. Oktober 2010

Die letzte Zeit...

Die letzte Zeit

Nun komm ich auch endlich mal wieder dazu hier etwas von meiner letzten Zeit hier zu berichten.
Also in der Schule und vor allem mit Sharie geht es Bergab und Bergauf. Es gibt Tage, da bin ich richtig zufrieden mit mir aber leider gingt es auch die gegenteiligen Tage. An diesen Tagen frage ich mich immer was ich hier eigentlich mache und was mich bewegt hat hier hinzugehen. Aber zum Glück werden diese Tage immer seltener. Woran glaube ich auch eine Schweizer Pädagogin, die vorletzte Woche in der Schule war, stark beteiligt ist. Annemarie hat 20 Jahre in der Schweiz mit behinderten Kindern gearbeitet und reist nun mit ihrem Mann durch Peru, besuchen hier Freunde und gucken sich unter anderem auch Waldorfschulen an. Annemarie hat sich dann einen ganzen Tag Zeit genommen und mich und Sharie beobachtet. Es tat sehr gut endlich mit einem Fachmann über meine Arbeit mit Sharie zu sprechen, da sich mich sehr oft gefragt habe, ob ich alles richtig mache und ob ich nicht manchmal falsch reagiere. Annemarie hat mir sehr viele Tipps gegeben für die Arbeit mit Sharie und mir auch einige Sachen erst deutlich gemacht, wie zum Beispiel, dass Sharie  oft versucht mich zu provozieren indem sie einfach Dinge nicht macht, die sie soll, wobei ich bis jetzt immer davon ausgegangen ist, dass sie die Dinge dann nicht kann. Aber Annemarie hat mich auch sehr in meinen Impulsen und meiner Arbeit mit Sharie bestärkt, was mit wieder neuen Mut gegeben hat, denn ich schon fast verloren hatte.
Letzte Woche hatte ich dann auch meine erste Stunde alleine mit den Kindern. Eigentlich bin ich nur eingesprungen, weil die Klassenlehrerin krank war. Ich habe mit den Kindern gestrickt, was sich als nicht sehr einfach darstellte, weil die meisten es noch nicht beherrschen und man überall gleichzeitig sein muss. Aber für das erste mal war ich sehr positiv überrascht und es hat mir auch Spaß gemacht, ich hatte endlich mal das Gefühlt wirklich gebraucht zu werden! Und weil das so gut geklappt hat, bekam ich dann am nächsten Tag gleich wieder die Aufgabe eine Stunde alleine mit den Kindern zu stricken. Diese Stunde war dann aber alles andere als schön, die meisten Schüler haben alles versucht um ihre Grenzen zu finden. Ich war also die ganze Stunde damit beschäftigt, herum zu meckern, Schüler zu ermahnen, andere von draußen einzusammeln, streitenden und prügelnde Schüler auseinanderzuziehen und mich nebenbei noch ein bisschen auf die zwei die nach mehrmaligem ermahnen endlich arbeiteten, zu konzentrieren. Kurz gesagt es war eine  schreckliche Stunde und mit wurde schlagartig klar warum ich nicht Lehrerin werden möchte. Dennoch am Ende hatte ich alle da wo ich sie haben wollte, am stricken, auch wenn dies erst fünf Minuten vor der Pause der Fall war.
Am Freitag hatte ich dann meine nächste Stunde mit den Kindern, bei welcher jedoch die Klassenlehrerin und die Ayudante (Helferin, die eigentlich immer mit in der Klasse ist) anwesend. Ich habe Stunden damit verbracht den Unterricht vorzubereiten.
Als erstes habe ich an jeden Schüler eine meiner mitgebrachten Scheren verteilt, auf welcher der jeweilige Name stand. Dann habe ich mit ihnen Schneideübungen gemacht, erste mussten sie verschiedene Linien entlang schneiden, dann Kreise und Rechtecke ausschneiden.
Danach habe ich dann mit ihnen Blumen aus Transparentfolie gebastelt. Die Schüler waren alle mit Feuereifer dabei und haben sich richtig über meinen Unterricht gefreut, ebenso die Klassenlehrerin (Proffesora Veronika), die dann auch gleich beschlossen hat mir nun jeden Freitag diese Stunde zum basteln zu Verfügung zu stellten, was mich sehr freut.
Also die Kinder dann noch die Scheren und eine selbstgemachte Blume mit nach Hause nehmen durften, war ein richtiges Leuchten in ihren Augen zu sehen.
Gestern habe ich dann Sharie das erste Mal aus dem Unterricht genommen und mit ihr draußen einen Früchtesalat für die Klasse gemacht. Als wir dann alle zusammen in der Klasse den Salat gegessen haben und alle gesagt haben wie lecker er sei und wie gut wir das gemacht hatten, merkte man richtig wie stolz Sharie war und wie sie aufblühte.
Als ich auf Annemaries Hinweis hin, Sharie öfters mal beobachtet habe, viel mir auf, dass sie einen sehr starken Drang zur Gerechtigkeit und zur Ordnung hat, auch wenn sie das nicht immer so gut um zusetzen weiß. Auch fiel mir auf, dass sie sich immer freut, wenn sie mir bei irgendetwas helfen kann, und wenn es nur das ist mir beim stricken die Wolle zu halten und sie mir anzugeben.
Am Mittwoch möchte ich mit ihr Brot backen und hoffe auf den selben Effekt wie bei dem Früchtesalat nämlich, dass die anderen Kinder nicht auf sie herunter gucken oder sie schlechter behandeln als andere, sondern das sie sie akzeptieren so wie gestern als wir alle zusammen gesessen haben und den Salat gegessen haben.
Unten haben ich noch ein paar Fotos angehängt.
Wenn noch einer Tipps zum basteln oder zur Arbeit mit Sharie hat, würde ich mich sehr freuen, diese zu lesen.
Außerhalb der Schule habe ich mich eigentlich nun vollkommen eingelebt.
Letzte Woche ist Lena in ein anderes Zimmer gezogen und ich habe nun das alte für mich alleine. Von Lourden (unserer Chefin) habe ich dann am Sonntag noch einen großen Kleiderschrank geschenkt bekommen, nun fehlt mir nur noch ein Tisch und ein Stuhl dann ist mein Zimmer zwar sehr voll, aber einen Tisch brauche ich zum schreiben, was ich hier sehr viel tue.
Mein Magen hingegen hat sich noch nicht so gut eingelebt, meistens geht es mir einmal die Woche richtig mies, aber nach zwei drei Tagen geht es dann wieder. Oft hat man auch gar nicht die Möglichkeit nachzuvollziehen was nun die Ursache dafür ist. Aber dafür bin ich mir sicher, wenn ich wieder nach Deutschland komme habe ich nie wieder Probleme, sondern bin gegen alle Formen von Bakterien Amun.
Ich hoffe ich schaffe es mich das nächstes Mal eher zu melden!
Liebe Grüße aus Peru
Eure Anna-Lena 

Dienstag, 5. Oktober 2010

Nun bin ich schon drei Wochen hier....

Liebe Leser,

heute bin ich nun schon drei Wochen hier. Es kommt mir sehr viel länger vor, da Gefühl von Zuhause schon sehr weit weg und unwirklich erscheint. Ich komme hier immer besser zurecht. Pisac ist sehr schön. Es ist aber auch sehr schön die Stadt Cusco in der Nähe zuhaben, in der wir auch am Wochenende wieder waren. Dort waren wir am Samstag und haben uns das Inkamuseum angeschaut. Danach waren wir noch auf dem Markt ein bisschen einkaufen. Durch die Wahlen, die gestern waren, hatten wir ja verlängertes Wochenende und haben auch heute noch frei. Ich bin sehr froh, dass die Wahlen nun vorbei sind. WahlKAMPF hat hier eine ganz andere Bedeutung als bei uns. Hier geht es um 5:00 Uhr los mit Geschrei und Gesang für die jeweilige Partei und hört erst abends um 24:00 Uhr auf, wenn dabei zwei verfeindete Parteien aufeinander treffen, wir mit Knallern geworfen. Aber zum Glück ist dies alles jetzt vorbei und ich hoffen endlich wieder richtig gut schlafen zu können.
Am Sonntag sind wir dann zu dritt um 4:30 Uhr aufgestanden, haben uns ein Frühstück gemacht und sind auf die Ruinen hier in Pisac gewandert. Wir waren dann auch schon um halb 7 oben. Dort haben wir uns dann einen schönen Platz gesucht und gefrühstückt. Da wir auch früher als der Kassierer waren, mussten wir auch keinen Eintritt bezahlen. Die Stille und der Ausblick oben auf dem Berg war wunderschön, nur das Wetter hat leider nicht so gut mitgespielt wie sonst. Eigentlich sollte hier bereits schon die Regenzeit angebrochen sein, doch durch den Klimawandel verschiebt sie sich auch hier. So haben wir jeden Tag strahlenden Sonnenschein bei dem es mal wärmer und mal, durch den meist Nachmittags aufkommenden Wind nicht so warm ist. Nachts ist es immer noch sehr kalt, aber wir haben ja gerade auch erst mal Frühlingsanfang.
Mit Lena und Mareike habe ich sehr viel Spaß hier. Letztes Wochenende war ich mit Lena feiern, was in Cusco wirklich gut geht. In solchen Fällen schlafen wir dann einfach in einem Hostel in Cusco.
Wir ihr lesen könnt geht es mir hier also eigentlich ganz gut, aber ich vermisse natürlich auch viele Dinge von Zuhause. Was ich am meisten vermisse ist jedoch von Tag zu Tag unterschiedlich, mal mehr die warme Duschen, mal mehr mein eigenes Zimmer, oder diverse elektronische Geräte, wie zum Beispiel einen Mixer und so weiter.
In der Schule läuft es leider nicht ganz so gut. Erst einmal habe ich gerade in der Schule immer noch sehr mit meinem Spanisch zu Kämpfen vor allem, wenn ich mich durchsetzen muss. Mit Saharie war der letzte Mittwoch dann echt sehr schwer. Sie wollte absolut nicht sitzen bleiben und dem Unterricht folgen, sie hatte keinerlei Konzentration und ist immer nur weg und aus der Klasse her ausgelaufen die Lehrerinnen waren total überfordert und ich natürlich auch. Am Ende wurde Sharies Mutter dann zu einem Gespräch geladen, wovon ich leider noch nicht das Ergebnis weiß. Naja ich werde jetzt mehr und intensiver Spanisch lernen um mich in solchen Situationen auch besser ausdrücken zu können.
Hier sind auch noch ein paar Fotos...
Liebe Grüße aus Peru
Eure Anna-Lena