Samstag, 4. Dezember 2010

Euch allen eine frohe und glueckliche Weihnachtszeit

Leider habe ich es nicht geschafft mein Vorhaben eher etwas zu bloggen durchzuziehen.
Nun bin ich schon 2 ½ Monate hier und ich habe mich in alles prima eingelebt. Jetzt kann ich schon von einem richtigen Alltag in meinem Tagesablauf sprechen.
Leider kann ich die Sprache noch nicht so gut wie ich es mir nach 2 ½  Monaten erhofft habe. Es gibt Tage, da gelingt es mir schon recht gut. Leider gibt es jedoch auch Tage, da gelingt mir sehr wenig und ich muss über die einfachsten Sätze die ich sagen möchte nachdenken. Für tiefgehende Gespräche reichen meine Sprachkenntnisse leider auch nicht aus. Naja, ich hoffe, dass das mit der Zeit noch kommt.
In den letzten Wochen habe ich schon sehr viel mit den Kindern gemacht, wir haben gebastelt, Brot gebacken, Kuchen gebacken, einen Gemüsesalat aus unserem selbst gepflanzten Salat und mitgebrachten Sachen gemacht. 

Vor drei Wochen hatte ich meine schlimmste Woche hier. Bei der Arbeit hat nichts geklappt. Sharie hat in dieser Woche angefangen nicht nur die anderen Kinder zu schlagen, sondern auch mich. Sie hatte in dieser Woche jeden Tag einen Wutanfall, der gegen einen ihrer Mitschüler gerichtet war und wenn ich dann eingeschritten bin wandte sich dieser dann auch gegen mich. Wenn sie mich dann geschlagen und getreten hat und ich etwas ernster mit ihr umgegangen bin, wurde ihr Anfall immer schlimmer. Aber auch einfach nur mit ihr reden hat nicht viel  geholfen. Ich denke, dass sie sich so verhalten hat, weil sie am Freitag (den 11.) in dieser Woche Geburtstag hatte und deswegen sehr aufgeregt war.
Am Sonntag den 13. haben wir dann im Laden eine kleine Geburtstagsfeier mit einer Torte für Sharie gemacht. Sie war sehr glücklich und wieder halbwegs auszuhalten.

Letztes Wochenende am 27.11.2010 war in Waldorf Lima (die größte Waldorfschule in Peru) ein Adventsbasar, bei dem viele Waldorfeinrichtungen aus ganz Peru, unter anderem auch wir, einen Stand hatten. Wir haben dort die Sachen verkauft, die wir hier jeden Montag und jeden Donnerstag mit den Lehrerinnen gebastelt und genäht hatten, aber auch Dinge, die die Eltern gemacht hatten und Decken aus der Selva. Wir hatten kleine Bauernhofhäuschen mit einer Bäuerin oder einem Bauern und Schafen, Lamas, und gestrickten Schweinen, Hutbänder, Perlenarmbänder, Stoffe, Holzkarren zum Spielen, bestickte Denken und Unterlagen aus der Selva, Ohrringe und noch viele andere schön Dinge.
Auch alle Einrichtungen in Lima waren auf dem Basar vertreten. Außer uns sind noch 6 andere Freiwillige nicht in Lima. Besonders interessiert hat mich das Projekt Runayay, was meine Traumstelle gewesen wäre. Das Projekt ist mitten in Lima und beschäftigt sich mit Jugendlichen, die in Banden waren oder sind und versucht diese von der Straße wegzuholen. Das Projekt bietet den Jugendlichen verschiedene Workshops an wie kochen, backen, stricken, häkeln, Schmuckherstellen und sie bieten sehr viel Sport an. Für den Basar haben sie Marmelade gekocht, zusätzlich zu dieser haben sie ihren selbst gemachten Schmuck, Muffins und Waffeln verkauft. In dieser Einrichtung sind zwei Freiwillige. Ich habe mich dann auch kurz mit einigen der Jugendlichen (16-19) unterhalten und habe schnell begriffen, warum ich die Stelle nicht bekommen habe. Denn für diese Jugendlichen ist es etwas total besonderes, wenn eine weiße Blonde mit ihnen spricht. In kürzester Zeit war ich umgeben von einer Traube die alle mit mir ein Foto machen wollten und mir zeigen wollten, was sie alles auf Deutsch oder auf Englisch sagen können. 

Nun möchte ich noch ein bisschen zu Waldorf Lima etwas sagen: die Schule geht bis zur 9. Klasse, wie auch alle anderen Schulen. Ich habe nicht  ganz verstanden, welchen Abschluss die Schüler dann haben, aber auf jeden Fall, den besten, denn man hier in Peru machen kann. Die Schule ist riesig groß und typisch Waldorf. Zudem liegt sie mitten in Lima, in dem besten Viertel. Zu der Schule gehört ein riesiger Schulhof, mit Basketballplatz und Volleyballplatz, mit zwei riesigen Wiesen und einem Sandspielplatz. Die Schule beschäftigt 20 Gärtner und 30 Wachleute. Sie ist rundherum von einer großen Mauer mit Elektrozaun umgeben und das Geländer ist nur durch drei bewachte Türen zu betreten. Zu der Schule gehört auch noch ein großer Kindergarten, der seine eigene große Spielfläche hat.
Wenn man sich dann anguckt, mit was für Dingen und Verhältnissen die Kinder hier zurecht kommen und leben, können einem die Tränen kommen.

Freundlicherweise hat meine Chefin mir die ganze Woche vor dem Basar freigegeben, damit ich mich unter anderem in Lima um unsere Visa kümmern konnte, die längst fällig waren.
Nach dieser oben beschriebenen Horror Woche war ich sehr froh, nach Lima entfliehen zu können. Nach 23 Stunden Busfahrt, über 4000 Höhen Meter kam ich am Sonntag dem 21.11.2010 in Lima an.
Ich habe in der einen Woche bei einer von Lourdes Töchtern gewohnt. Ihr Haus befindet sich in einem der reichsten Viertel in Lima: in Miraflores. Auch der Kindergarten in dem Lucia, Lourdes Tochter, arbeitet und in dem ich einen Tag mitgearbeitet habe, liegt in diesem Stadtviertel.
Also ich am Sonntag in diesem Kindergarten angekommen bin, dachte ich erst einmal ich wäre in Deutschland und ich konnte mir nicht klar machen, dass ich in dem gleichen Land bin, in dem auch wir in Pisac leben. Es war alles anders! Die Kinder hatten nur Markenklamotten an und sie hatten alle erdenklichen Spielsachen, die Wände waren bunt und alles war schön. Der Kindergarten hat drei Salons und in jedem sind zwei Erzieherinnen und in einem ist noch ein Freiwilliger. Außerdem hat der Kindergarten noch eine Köchin, eine Haushälterin und eine Sekretärin.
Draußen hat der Kindergarten einen großen Garten zum Spielen, mit einem Sandkasten, einer Schaukel einer Art Hängematte und noch vielem mehr.
Für mich war diese Erfahrung schon echt krass, weil ich die ganze Zeit meine Klasse vor Augen hatte, die einfach nicht mal passende Klamotten zum Anziehen hat, geschweige denn alles was meiner Meinung nach zu einer gesunden und glücklichen Kindheit gehört.
Die Eltern zahlen für einen Platz in diesem Kindergarten 400 Soles, hier bei uns in Pisac zahlen die reichsten Eltern 40 Soles.
Als ich den einen Tag da war und mitgearbeitet habe, habe ich auch Plätzchen gebacken. Als die Kinder dann abgeholt wurden, wurden diese verkauft, 4 Plätzchen für einen Sol. Eine Mutter hat dann erst mal für alle Kinder die noch da waren eine Tüte gekauft und hat so mal eben über 40 Soles ausgegeben. Auch noch mal zum Vergleich, hier können manche Eltern nicht mal das Frühstücksgeld, was vier Soles beträgt (für einen Monat) aufbringen.

Erst war ich auch von dem Glanz von Miraflores sehr überwältigt und dachte mir es müsse cool sein dort zu leben, denn dort gab es wirklich alles, riesige Supermärkte, Shoppingcenter direkt am Meer, Kinos, alle Fastfoodketten die man sich denken kann und so weiter. Aber dann habe ich gemerkt, dass ich froh bin nicht dort zu wohnen, weil meine Stelle auch dem was ich unter einem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst verstehe sehr viel näher kommt, als dass was andere Freiwillige in Lima machen. Schnell habe ich auch die Kinder vermisst und den Markt und einfach das Vertraute, dass man Menschen auf der Straße trifft, die wissen wer man ist und man sich mit ihnen unterhält oder sich zumindest grüßt. 
Ich habe mich dann sehr gefreut, als ich nach 22 Stunden Fahrt wieder in Pisac war und Lena und Mareike mich mit einem leckeren gemeinsamen Mittagessen empfangen haben.
Fast noch mehr habe ich mich dann Dienstags Morgen über die Begrüßung der Schüler gefreut. Alle kamen sobald sie mich gesehen haben angerannt und haben mich umarmt und gefragt wo ich war und was ich gemacht habe und wie es war.
Sharies Freude hat jedoch alle übertroffen, sie lässt mich seitdem ich da bin eigentlich nicht mehr aus den Augen und wenn ich mal keine Lust oder keine Zeit habe muss ich mein Zimmer abschließen, damit sie nicht reinkommen kann. Auch die Arbeit mit ihr ist wieder wesentlich einfacher. Dieser Tag war jedoch auch ein sehr trauriger und hat mir noch einmal die Armut und Verhältnisse der Schüler hier vor Augen geführt. Eine Schülerin hat eine andere geschlagen und als die Proffe daraufhin gefragt hat, warum sie denn schlagen würde und ob sie das Zuhause auch so machen würde, hat Carina nur mit „Ja“ geantwortet. Als Veronika dann weiter gefragt hat wer denn schlagen würde und warum, hat sie halt nur gesagt ihr Eltern, vor allem ihre Mutter würde sie schlagen, wenn sie etwas falsch machen würde oder wenn die Mutter lange gearbeitet hätte. Auf die Frage wer noch Zuhause geschlagen würde meldeten sich dann noch weitere  vier Kinder. Einige erzählten auch, dass sie nach der Schule arbeiten müssten, meistens Schmuck auf dem Markt verkaufen. Das war für mich eine echt heftige Szene.

Am Mittwoch wurde ich dann aber wieder mal enttäuscht: ich habe für die Schüler einen Adventskalender gebastelt und diesen dann voll Stolz heute mit in die Schule gebracht. Veronika meinte dann aber nur ganz nüchtern, dass die Leute von der Schule nichts wollten, was mit Weihnachten zu tun hat, deswegen darf mein Kalender jetzt auch nicht als Adventskalender bezeichnet werden und er wird auch nicht aufgehängt, wegen den anderen Lehrern und wegen Lourdes. Zum Glück ist die Veronika meiner Meinung und meint auch, dass es schade sei, dass Weihnachten von dieser Schule, sowie auch alle anderen christlichen Feste ignoriert werden. Vor allem weil die Kinder diese Feste Zuhause feiern, deswegen darf ich den Kalender, jetzt eben umgeändert doch verwenden.
Auch heute am Mittwoch hat Veronika Zahnbürsten mit in die Schule gebracht. Auf die Frage wer Zuhause eine Zahnbürste hätte, meldeten sich zwei Schüler. Als ich dann mit den Schülern Zähneputzen war, merkte ich auch schnell, dass sie gar nicht genau wissen wie sie das machen sollen, deswegen musste ich mit ihnen einen Zähne-putz-Kurs machen.

Hier ist gerade Skorpion Zeit. Letzte Woche wo ich nicht da war, wurde auch ein Kind aus meiner Klasse von einem gestochen, aber die scheinen es hier nicht sehr ernst zu nehmen, während ich jetzt sogar in Wanderschuhen aufs Klo gehe, laufen die Kinder immer noch in Sandalen herum und spielen und sitzen auf dem Boden. Auf meine Frage ob die Stiche denn nicht gefährlich seien, meinte die Proffe, nur wenn man allergisch sei und das seien die wenigsten. 

Ich werde, obwohl mein Kalender nicht angenommen würde, versuchen mit den Kindern nächste Woche Plätzchen zu backen.
Sonst ist hier eigentlich keine Weihnachtsstimmung. Es ist zwar auch noch nicht richtig Sommer, wie Beispielsweise in Lima (30Grad), aber es ist eigentlich jeden Tag bis Nachmittags warm und sonnig. Um aber ein bisschen Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen, machen wir auch einen Adventskalender untereinander. Am Mittwoch habe ich auch schon meine erste Sache von Lena bekommen, ein wunderschöne gebastelte Schachtel mit einer Apfeltasche darin. Auch von Zuhause durfte ich schon ein echt lustiges Türchen von Jannis öffnen.
Es steht nun auch endlich fest, dass ich Weihnachten in Brasilien in Sao Paulo bei Christian und Annchen (zwei sehr guten Freunden von mir, die auch einen Freiwilligendienst über die Freunde in Sao Paulo machen) feiern werde.
Da ich also vom 22.12.2010- 6.01.2011 in Brasilien sein werde und dadurch Weihnachten nicht hier sein werde, haben wir drei uns überlegt unser Weihnachtsfest hier in Pisac auf den 4. Advent vorzuverlegen.
Silvester werde ich mit Annchen und Christian in Rio de Janeiro feiern.
Am 6. treffe ich mich dann planmäßig mit Lena, Charlotte und Mareike in Lima und dann werden wir zusammen von da aus die Küste runter reisen bis in die bolivianische Stadt La Paz und dann werden wir über den Titicacasee wieder zurückreisen und dann hoffentlich am ersten Februar pünktlich zum erstes Arbeitstag wieder da sein. 9 Tage auf dieser Reise wird Christian aus Brasilien uns auch noch besuchen und mitreisen.


Altes Kaminstück -(Heinrich Heine)

Draußen ziehen weiße Flocken
Durch die Nacht, der Sturm ist laut;
Hier im Stübchen ist es trocken,
Warm und einsam, still vertraut.

Sinnend sitz ich auf dem Sessel,
An dem knisternden Kamin,
Kochend summt der Wasserkessel
Längst verklungne Melodien.

Und ein Kätzchen sitzt daneben,
Wärmt die Pfötchen an der Glut;
Und die Flammen schweben, weben,
Wundersam wird mir zu Mut.

Dämmernd kommt heraufgestiegen
Manche längst vergessne Zeit,
Wie mit bunten Maskenzügen
Und verblichner Herrlichkeit.

Schöne Frauen, mit kluger Miene,
Winken süßgeheimnisvoll,
Und dazwischen Harlekine
Springen, lachen, lustigtoll.

Ferne grüßen Marmorgötter,
Traumhaft neben ihnen stehen
Märchenblumen, deren Blätter
In dem Mondenlichte wehen.

Wackelnd kommt herbei geschwommen
Manches alte Zauberschloss;
Hintendrein geritten kommen
Blanke Ritter, Knappentross.

Und das alles zieht vorüber,
Schattenhastig übereilt -
Ach! da kocht der Kessel über,
Und das nasse Kätzchen heult.


In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne, schneereiche Adventszeit!
Liebe Grüße
Eure Anna-Lena

Freitag, 3. Dezember 2010

Euch allen eine frohe und glueckliche Weihnachtszeit

Erst ein mal eine frohe Adventszeit euch allen...

Leider habe ich es nicht geschafft mein Vorhaben eher etwas zu bloggen durchzuziehen.
Nun bin ich schon 2 ½ Monate hier und ich habe mich in alles prima eingelebt. Jetzt kann ich schon von einem richtigen Alltag in meinem Tagesablauf sprechen.
Leider kann ich die Sprache noch nicht so gut wie ich es mir nach 2 ½  Monaten erhofft habe. Es gibt Tage, da gelingt es mir schon recht gut. Leider gibt es jedoch auch Tage, da gelingt mir sehr wenig und ich muss über die einfachsten Sätze die ich sagen möchte nachdenken. Für tiefgehende Gespräche reichen meine Sprachkenntnisse leider auch nicht aus. Naja, ich hoffe, dass das mit der Zeit noch kommt.
In den letzten Wochen habe ich schon sehr viel mit den Kindern gemacht, wir haben gebastelt, Brot gebacken, Kuchen gebacken, einen Gemüsesalat aus unserem selbst gepflanzten Salat und mitgebrachten Sachen gemacht. 

Vor drei Wochen hatte ich meine schlimmste Woche hier. Bei der Arbeit hat nichts geklappt. Sharie hat in dieser Woche angefangen nicht nur die anderen Kinder zu schlagen, sondern auch mich. Sie hatte in dieser Woche jeden Tag einen Wutanfall, der gegen einen ihrer Mitschüler gerichtet war und wenn ich dann eingeschritten bin wandte sich dieser dann auch gegen mich. Wenn sie mich dann geschlagen und getreten hat und ich etwas ernster mit ihr umgegangen bin, wurde ihr Anfall immer schlimmer. Aber auch einfach nur mit ihr reden hat nicht viel  geholfen. Ich denke, dass sie sich so verhalten hat, weil sie am Freitag (den 11.) in dieser Woche Geburtstag hatte und deswegen sehr aufgeregt war.
Am Sonntag den 13. haben wir dann im Laden eine kleine Geburtstagsfeier mit einer Torte für Sharie gemacht. Sie war sehr glücklich und wieder halbwegs auszuhalten.

Letztes Wochenende am 27.11.2010 war in Waldorf Lima (die größte Waldorfschule in Peru) ein Adventsbasar, bei dem viele Waldorfeinrichtungen aus ganz Peru, unter anderem auch wir, einen Stand hatten. Wir haben dort die Sachen verkauft, die wir hier jeden Montag und jeden Donnerstag mit den Lehrerinnen gebastelt und genäht hatten, aber auch Dinge, die die Eltern gemacht hatten und Decken aus der Selva. Wir hatten kleine Bauernhofhäuschen mit einer Bäuerin oder einem Bauern und Schafen, Lamas, und gestrickten Schweinen, Hutbänder, Perlenarmbänder, Stoffe, Holzkarren zum Spielen, bestickte Denken und Unterlagen aus der Selva, Ohrringe und noch viele andere schön Dinge.
Auch alle Einrichtungen in Lima waren auf dem Basar vertreten. Außer uns sind noch 6 andere Freiwillige nicht in Lima. Besonders interessiert hat mich das Projekt Runayay, was meine Traumstelle gewesen wäre. Das Projekt ist mitten in Lima und beschäftigt sich mit Jugendlichen, die in Banden waren oder sind und versucht diese von der Straße wegzuholen. Das Projekt bietet den Jugendlichen verschiedene Workshops an wie kochen, backen, stricken, häkeln, Schmuckherstellen und sie bieten sehr viel Sport an. Für den Basar haben sie Marmelade gekocht, zusätzlich zu dieser haben sie ihren selbst gemachten Schmuck, Muffins und Waffeln verkauft. In dieser Einrichtung sind zwei Freiwillige. Ich habe mich dann auch kurz mit einigen der Jugendlichen (16-19) unterhalten und habe schnell begriffen, warum ich die Stelle nicht bekommen habe. Denn für diese Jugendlichen ist es etwas total besonderes, wenn eine weiße Blonde mit ihnen spricht. In kürzester Zeit war ich umgeben von einer Traube die alle mit mir ein Foto machen wollten und mir zeigen wollten, was sie alles auf Deutsch oder auf Englisch sagen können. 

Nun möchte ich noch ein bisschen zu Waldorf Lima etwas sagen: die Schule geht bis zur 9. Klasse, wie auch alle anderen Schulen. Ich habe nicht  ganz verstanden, welchen Abschluss die Schüler dann haben, aber auf jeden Fall, den besten, denn man hier in Peru machen kann. Die Schule ist riesig groß und typisch Waldorf. Zudem liegt sie mitten in Lima, in dem besten Viertel. Zu der Schule gehört ein riesiger Schulhof, mit Basketballplatz und Volleyballplatz, mit zwei riesigen Wiesen und einem Sandspielplatz. Die Schule beschäftigt 20 Gärtner und 30 Wachleute. Sie ist rundherum von einer großen Mauer mit Elektrozaun umgeben und das Geländer ist nur durch drei bewachte Türen zu betreten. Zu der Schule gehört auch noch ein großer Kindergarten, der seine eigene große Spielfläche hat.
Wenn man sich dann anguckt, mit was für Dingen und Verhältnissen die Kinder hier zurecht kommen und leben, können einem die Tränen kommen.

Freundlicherweise hat meine Chefin mir die ganze Woche vor dem Basar freigegeben, damit ich mich unter anderem in Lima um unsere Visa kümmern konnte, die längst fällig waren.
Nach dieser oben beschriebenen Horror Woche war ich sehr froh, nach Lima entfliehen zu können. Nach 23 Stunden Busfahrt, über 4000 Höhen Meter kam ich am Sonntag dem 21.11.2010 in Lima an.
Ich habe in der einen Woche bei einer von Lourdes Töchtern gewohnt. Ihr Haus befindet sich in einem der reichsten Viertel in Lima: in Miraflores. Auch der Kindergarten in dem Lucia, Lourdes Tochter, arbeitet und in dem ich einen Tag mitgearbeitet habe, liegt in diesem Stadtviertel.
Also ich am Sonntag in diesem Kindergarten angekommen bin, dachte ich erst einmal ich wäre in Deutschland und ich konnte mir nicht klar machen, dass ich in dem gleichen Land bin, in dem auch wir in Pisac leben. Es war alles anders! Die Kinder hatten nur Markenklamotten an und sie hatten alle erdenklichen Spielsachen, die Wände waren bunt und alles war schön. Der Kindergarten hat drei Salons und in jedem sind zwei Erzieherinnen und in einem ist noch ein Freiwilliger. Außerdem hat der Kindergarten noch eine Köchin, eine Haushälterin und eine Sekretärin.
Draußen hat der Kindergarten einen großen Garten zum Spielen, mit einem Sandkasten, einer Schaukel einer Art Hängematte und noch vielem mehr.
Für mich war diese Erfahrung schon echt krass, weil ich die ganze Zeit meine Klasse vor Augen hatte, die einfach nicht mal passende Klamotten zum Anziehen hat, geschweige denn alles was meiner Meinung nach zu einer gesunden und glücklichen Kindheit gehört.
Die Eltern zahlen für einen Platz in diesem Kindergarten 400 Soles, hier bei uns in Pisac zahlen die reichsten Eltern 40 Soles.
Als ich den einen Tag da war und mitgearbeitet habe, habe ich auch Plätzchen gebacken. Als die Kinder dann abgeholt wurden, wurden diese verkauft, 4 Plätzchen für einen Sol. Eine Mutter hat dann erst mal für alle Kinder die noch da waren eine Tüte gekauft und hat so mal eben über 40 Soles ausgegeben. Auch noch mal zum Vergleich, hier können manche Eltern nicht mal das Frühstücksgeld, was vier Soles beträgt (für einen Monat) aufbringen.

Erst war ich auch von dem Glanz von Miraflores sehr überwältigt und dachte mir es müsse cool sein dort zu leben, denn dort gab es wirklich alles, riesige Supermärkte, Shoppingcenter direkt am Meer, Kinos, alle Fastfoodketten die man sich denken kann und so weiter. Aber dann habe ich gemerkt, dass ich froh bin nicht dort zu wohnen, weil meine Stelle auch dem was ich unter einem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst verstehe sehr viel näher kommt, als dass was andere Freiwillige in Lima machen. Schnell habe ich auch die Kinder vermisst und den Markt und einfach das Vertraute, dass man Menschen auf der Straße trifft, die wissen wer man ist und man sich mit ihnen unterhält oder sich zumindest grüßt. 
Ich habe mich dann sehr gefreut, als ich nach 22 Stunden Fahrt wieder in Pisac war und Lena und Mareike mich mit einem leckeren gemeinsamen Mittagessen empfangen haben.
Fast noch mehr habe ich mich dann Dienstags Morgen über die Begrüßung der Schüler gefreut. Alle kamen sobald sie mich gesehen haben angerannt und haben mich umarmt und gefragt wo ich war und was ich gemacht habe und wie es war.
Sharies Freude hat jedoch alle übertroffen, sie lässt mich seitdem ich da bin eigentlich nicht mehr aus den Augen und wenn ich mal keine Lust oder keine Zeit habe muss ich mein Zimmer abschließen, damit sie nicht reinkommen kann. Auch die Arbeit mit ihr ist wieder wesentlich einfacher. Dieser Tag war jedoch auch ein sehr trauriger und hat mir noch einmal die Armut und Verhältnisse der Schüler hier vor Augen geführt. Eine Schülerin hat eine andere geschlagen und als die Proffe daraufhin gefragt hat, warum sie denn schlagen würde und ob sie das Zuhause auch so machen würde, hat Carina nur mit „Ja“ geantwortet. Als Veronika dann weiter gefragt hat wer denn schlagen würde und warum, hat sie halt nur gesagt ihr Eltern, vor allem ihre Mutter würde sie schlagen, wenn sie etwas falsch machen würde oder wenn die Mutter lange gearbeitet hätte. Auf die Frage wer noch Zuhause geschlagen würde meldeten sich dann noch weitere  vier Kinder. Einige erzählten auch, dass sie nach der Schule arbeiten müssten, meistens Schmuck auf dem Markt verkaufen. Das war für mich eine echt heftige Szene.

Am Mittwoch wurde ich dann aber wieder mal enttäuscht: ich habe für die Schüler einen Adventskalender gebastelt und diesen dann voll Stolz heute mit in die Schule gebracht. Veronika meinte dann aber nur ganz nüchtern, dass die Leute von der Schule nichts wollten, was mit Weihnachten zu tun hat, deswegen darf mein Kalender jetzt auch nicht als Adventskalender bezeichnet werden und er wird auch nicht aufgehängt, wegen den anderen Lehrern und wegen Lourdes. Zum Glück ist die Veronika meiner Meinung und meint auch, dass es schade sei, dass Weihnachten von dieser Schule, sowie auch alle anderen christlichen Feste ignoriert werden. Vor allem weil die Kinder diese Feste Zuhause feiern, deswegen darf ich den Kalender, jetzt eben umgeändert doch verwenden.
Auch heute am Mittwoch hat Veronika Zahnbürsten mit in die Schule gebracht. Auf die Frage wer Zuhause eine Zahnbürste hätte, meldeten sich zwei Schüler. Als ich dann mit den Schülern Zähneputzen war, merkte ich auch schnell, dass sie gar nicht genau wissen wie sie das machen sollen, deswegen musste ich mit ihnen einen Zähne-putz-Kurs machen.

Hier ist gerade Skorpion Zeit. Letzte Woche wo ich nicht da war, wurde auch ein Kind aus meiner Klasse von einem gestochen, aber die scheinen es hier nicht sehr ernst zu nehmen, während ich jetzt sogar in Wanderschuhen aufs Klo gehe, laufen die Kinder immer noch in Sandalen herum und spielen und sitzen auf dem Boden. Auf meine Frage ob die Stiche denn nicht gefährlich seien, meinte die Proffe, nur wenn man allergisch sei und das seien die wenigsten. 

Ich werde, obwohl mein Kalender nicht angenommen würde, versuchen mit den Kindern nächste Woche Plätzchen zu backen.
Sonst ist hier eigentlich keine Weihnachtsstimmung. Es ist zwar auch noch nicht richtig Sommer, wie Beispielsweise in Lima (30Grad), aber es ist eigentlich jeden Tag bis Nachmittags warm und sonnig. Um aber ein bisschen Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen, machen wir auch einen Adventskalender untereinander. Am Mittwoch habe ich auch schon meine erste Sache von Lena bekommen, ein wunderschöne gebastelte Schachtel mit einer Apfeltasche darin. Auch von Zuhause durfte ich schon ein echt lustiges Türchen von Jannis öffnen.
Es steht nun auch endlich fest, dass ich Weihnachten in Brasilien in Sao Paulo bei Christian und Annchen (zwei sehr guten Freunden von mir, die auch einen Freiwilligendienst über die Freunde in Sao Paulo machen) feiern werde.
Da ich also vom 22.12.2010- 6.01.2011 in Brasilien sein werde und dadurch Weihnachten nicht hier sein werde, haben wir drei uns überlegt unser Weihnachtsfest hier in Pisac auf den 4. Advent vorzuverlegen.
Silvester werde ich mit Annchen und Christian in Rio de Janeiro feiern.
Am 6. treffe ich mich dann planmäßig mit Lena, Charlotte und Mareike in Lima und dann werden wir zusammen von da aus die Küste runter reisen bis in die bolivianische Stadt La Paz und dann werden wir über den Titicacasee wieder zurückreisen und dann hoffentlich am ersten Februar pünktlich zum erstes Arbeitstag wieder da sein. 9 Tage auf dieser Reise wird Christian aus Brasilien uns auch noch besuchen und mitreisen.


Altes Kaminstück -(Heinrich Heine)

Draußen ziehen weiße Flocken
Durch die Nacht, der Sturm ist laut;
Hier im Stübchen ist es trocken,
Warm und einsam, still vertraut.

Sinnend sitz ich auf dem Sessel,
An dem knisternden Kamin,
Kochend summt der Wasserkessel
Längst verklungne Melodien.

Und ein Kätzchen sitzt daneben,
Wärmt die Pfötchen an der Glut;
Und die Flammen schweben, weben,
Wundersam wird mir zu Mut.

Dämmernd kommt heraufgestiegen
Manche längst vergessne Zeit,
Wie mit bunten Maskenzügen
Und verblichner Herrlichkeit.

Schöne Frauen, mit kluger Miene,
Winken süßgeheimnisvoll,
Und dazwischen Harlekine
Springen, lachen, lustigtoll.

Ferne grüßen Marmorgötter,
Traumhaft neben ihnen stehen
Märchenblumen, deren Blätter
In dem Mondenlichte wehen.

Wackelnd kommt herbei geschwommen
Manches alte Zauberschloss;
Hintendrein geritten kommen
Blanke Ritter, Knappentross.

Und das alles zieht vorüber,
Schattenhastig übereilt -
Ach! da kocht der Kessel über,
Und das nasse Kätzchen heult.


In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne, schneereiche Adventszeit!
Liebe Grüße
Eure Anna-Lena

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Die letzte Zeit...

Die letzte Zeit

Nun komm ich auch endlich mal wieder dazu hier etwas von meiner letzten Zeit hier zu berichten.
Also in der Schule und vor allem mit Sharie geht es Bergab und Bergauf. Es gibt Tage, da bin ich richtig zufrieden mit mir aber leider gingt es auch die gegenteiligen Tage. An diesen Tagen frage ich mich immer was ich hier eigentlich mache und was mich bewegt hat hier hinzugehen. Aber zum Glück werden diese Tage immer seltener. Woran glaube ich auch eine Schweizer Pädagogin, die vorletzte Woche in der Schule war, stark beteiligt ist. Annemarie hat 20 Jahre in der Schweiz mit behinderten Kindern gearbeitet und reist nun mit ihrem Mann durch Peru, besuchen hier Freunde und gucken sich unter anderem auch Waldorfschulen an. Annemarie hat sich dann einen ganzen Tag Zeit genommen und mich und Sharie beobachtet. Es tat sehr gut endlich mit einem Fachmann über meine Arbeit mit Sharie zu sprechen, da sich mich sehr oft gefragt habe, ob ich alles richtig mache und ob ich nicht manchmal falsch reagiere. Annemarie hat mir sehr viele Tipps gegeben für die Arbeit mit Sharie und mir auch einige Sachen erst deutlich gemacht, wie zum Beispiel, dass Sharie  oft versucht mich zu provozieren indem sie einfach Dinge nicht macht, die sie soll, wobei ich bis jetzt immer davon ausgegangen ist, dass sie die Dinge dann nicht kann. Aber Annemarie hat mich auch sehr in meinen Impulsen und meiner Arbeit mit Sharie bestärkt, was mit wieder neuen Mut gegeben hat, denn ich schon fast verloren hatte.
Letzte Woche hatte ich dann auch meine erste Stunde alleine mit den Kindern. Eigentlich bin ich nur eingesprungen, weil die Klassenlehrerin krank war. Ich habe mit den Kindern gestrickt, was sich als nicht sehr einfach darstellte, weil die meisten es noch nicht beherrschen und man überall gleichzeitig sein muss. Aber für das erste mal war ich sehr positiv überrascht und es hat mir auch Spaß gemacht, ich hatte endlich mal das Gefühlt wirklich gebraucht zu werden! Und weil das so gut geklappt hat, bekam ich dann am nächsten Tag gleich wieder die Aufgabe eine Stunde alleine mit den Kindern zu stricken. Diese Stunde war dann aber alles andere als schön, die meisten Schüler haben alles versucht um ihre Grenzen zu finden. Ich war also die ganze Stunde damit beschäftigt, herum zu meckern, Schüler zu ermahnen, andere von draußen einzusammeln, streitenden und prügelnde Schüler auseinanderzuziehen und mich nebenbei noch ein bisschen auf die zwei die nach mehrmaligem ermahnen endlich arbeiteten, zu konzentrieren. Kurz gesagt es war eine  schreckliche Stunde und mit wurde schlagartig klar warum ich nicht Lehrerin werden möchte. Dennoch am Ende hatte ich alle da wo ich sie haben wollte, am stricken, auch wenn dies erst fünf Minuten vor der Pause der Fall war.
Am Freitag hatte ich dann meine nächste Stunde mit den Kindern, bei welcher jedoch die Klassenlehrerin und die Ayudante (Helferin, die eigentlich immer mit in der Klasse ist) anwesend. Ich habe Stunden damit verbracht den Unterricht vorzubereiten.
Als erstes habe ich an jeden Schüler eine meiner mitgebrachten Scheren verteilt, auf welcher der jeweilige Name stand. Dann habe ich mit ihnen Schneideübungen gemacht, erste mussten sie verschiedene Linien entlang schneiden, dann Kreise und Rechtecke ausschneiden.
Danach habe ich dann mit ihnen Blumen aus Transparentfolie gebastelt. Die Schüler waren alle mit Feuereifer dabei und haben sich richtig über meinen Unterricht gefreut, ebenso die Klassenlehrerin (Proffesora Veronika), die dann auch gleich beschlossen hat mir nun jeden Freitag diese Stunde zum basteln zu Verfügung zu stellten, was mich sehr freut.
Also die Kinder dann noch die Scheren und eine selbstgemachte Blume mit nach Hause nehmen durften, war ein richtiges Leuchten in ihren Augen zu sehen.
Gestern habe ich dann Sharie das erste Mal aus dem Unterricht genommen und mit ihr draußen einen Früchtesalat für die Klasse gemacht. Als wir dann alle zusammen in der Klasse den Salat gegessen haben und alle gesagt haben wie lecker er sei und wie gut wir das gemacht hatten, merkte man richtig wie stolz Sharie war und wie sie aufblühte.
Als ich auf Annemaries Hinweis hin, Sharie öfters mal beobachtet habe, viel mir auf, dass sie einen sehr starken Drang zur Gerechtigkeit und zur Ordnung hat, auch wenn sie das nicht immer so gut um zusetzen weiß. Auch fiel mir auf, dass sie sich immer freut, wenn sie mir bei irgendetwas helfen kann, und wenn es nur das ist mir beim stricken die Wolle zu halten und sie mir anzugeben.
Am Mittwoch möchte ich mit ihr Brot backen und hoffe auf den selben Effekt wie bei dem Früchtesalat nämlich, dass die anderen Kinder nicht auf sie herunter gucken oder sie schlechter behandeln als andere, sondern das sie sie akzeptieren so wie gestern als wir alle zusammen gesessen haben und den Salat gegessen haben.
Unten haben ich noch ein paar Fotos angehängt.
Wenn noch einer Tipps zum basteln oder zur Arbeit mit Sharie hat, würde ich mich sehr freuen, diese zu lesen.
Außerhalb der Schule habe ich mich eigentlich nun vollkommen eingelebt.
Letzte Woche ist Lena in ein anderes Zimmer gezogen und ich habe nun das alte für mich alleine. Von Lourden (unserer Chefin) habe ich dann am Sonntag noch einen großen Kleiderschrank geschenkt bekommen, nun fehlt mir nur noch ein Tisch und ein Stuhl dann ist mein Zimmer zwar sehr voll, aber einen Tisch brauche ich zum schreiben, was ich hier sehr viel tue.
Mein Magen hingegen hat sich noch nicht so gut eingelebt, meistens geht es mir einmal die Woche richtig mies, aber nach zwei drei Tagen geht es dann wieder. Oft hat man auch gar nicht die Möglichkeit nachzuvollziehen was nun die Ursache dafür ist. Aber dafür bin ich mir sicher, wenn ich wieder nach Deutschland komme habe ich nie wieder Probleme, sondern bin gegen alle Formen von Bakterien Amun.
Ich hoffe ich schaffe es mich das nächstes Mal eher zu melden!
Liebe Grüße aus Peru
Eure Anna-Lena 

Dienstag, 5. Oktober 2010

Nun bin ich schon drei Wochen hier....

Liebe Leser,

heute bin ich nun schon drei Wochen hier. Es kommt mir sehr viel länger vor, da Gefühl von Zuhause schon sehr weit weg und unwirklich erscheint. Ich komme hier immer besser zurecht. Pisac ist sehr schön. Es ist aber auch sehr schön die Stadt Cusco in der Nähe zuhaben, in der wir auch am Wochenende wieder waren. Dort waren wir am Samstag und haben uns das Inkamuseum angeschaut. Danach waren wir noch auf dem Markt ein bisschen einkaufen. Durch die Wahlen, die gestern waren, hatten wir ja verlängertes Wochenende und haben auch heute noch frei. Ich bin sehr froh, dass die Wahlen nun vorbei sind. WahlKAMPF hat hier eine ganz andere Bedeutung als bei uns. Hier geht es um 5:00 Uhr los mit Geschrei und Gesang für die jeweilige Partei und hört erst abends um 24:00 Uhr auf, wenn dabei zwei verfeindete Parteien aufeinander treffen, wir mit Knallern geworfen. Aber zum Glück ist dies alles jetzt vorbei und ich hoffen endlich wieder richtig gut schlafen zu können.
Am Sonntag sind wir dann zu dritt um 4:30 Uhr aufgestanden, haben uns ein Frühstück gemacht und sind auf die Ruinen hier in Pisac gewandert. Wir waren dann auch schon um halb 7 oben. Dort haben wir uns dann einen schönen Platz gesucht und gefrühstückt. Da wir auch früher als der Kassierer waren, mussten wir auch keinen Eintritt bezahlen. Die Stille und der Ausblick oben auf dem Berg war wunderschön, nur das Wetter hat leider nicht so gut mitgespielt wie sonst. Eigentlich sollte hier bereits schon die Regenzeit angebrochen sein, doch durch den Klimawandel verschiebt sie sich auch hier. So haben wir jeden Tag strahlenden Sonnenschein bei dem es mal wärmer und mal, durch den meist Nachmittags aufkommenden Wind nicht so warm ist. Nachts ist es immer noch sehr kalt, aber wir haben ja gerade auch erst mal Frühlingsanfang.
Mit Lena und Mareike habe ich sehr viel Spaß hier. Letztes Wochenende war ich mit Lena feiern, was in Cusco wirklich gut geht. In solchen Fällen schlafen wir dann einfach in einem Hostel in Cusco.
Wir ihr lesen könnt geht es mir hier also eigentlich ganz gut, aber ich vermisse natürlich auch viele Dinge von Zuhause. Was ich am meisten vermisse ist jedoch von Tag zu Tag unterschiedlich, mal mehr die warme Duschen, mal mehr mein eigenes Zimmer, oder diverse elektronische Geräte, wie zum Beispiel einen Mixer und so weiter.
In der Schule läuft es leider nicht ganz so gut. Erst einmal habe ich gerade in der Schule immer noch sehr mit meinem Spanisch zu Kämpfen vor allem, wenn ich mich durchsetzen muss. Mit Saharie war der letzte Mittwoch dann echt sehr schwer. Sie wollte absolut nicht sitzen bleiben und dem Unterricht folgen, sie hatte keinerlei Konzentration und ist immer nur weg und aus der Klasse her ausgelaufen die Lehrerinnen waren total überfordert und ich natürlich auch. Am Ende wurde Sharies Mutter dann zu einem Gespräch geladen, wovon ich leider noch nicht das Ergebnis weiß. Naja ich werde jetzt mehr und intensiver Spanisch lernen um mich in solchen Situationen auch besser ausdrücken zu können.
Hier sind auch noch ein paar Fotos...
Liebe Grüße aus Peru
Eure Anna-Lena

Montag, 20. September 2010

So langsam wird es was....


Nun nach fünf Tagen hier in Peru, muss ich zugeben, dass alles gar nicht mehr so schlimm ist wie ich es zuerst fand.
Am Anfang habe ich einfach nur gedacht, wie soll ich das hier ein Jahr lang überleben.
Wir haben hier zwei Zimmer zu dritt, ich schlafe mit Lena in einem Zimmer auf Matratzen auf dem Boden. In Mareikes Zimmer haben wir eine kleine Kochnische, mit zwei Gasplatten und einem kleinen wenig Geschirr. Das Bad teilen wir uns neben unserer Vermieterin (Normal) mit ihren zwei Kindern, auch noch mit einer Frau und einem Polizisten, es umfasst ca 4 Quadratmeter.
Von unserem Zimmer aus  guckt man auf die Inkastätten von Pisac. Auch wenn man duscht hat man einen herrlichen Ausblick auf die Berge, leider ist das Wasser sehr wenig und auch nicht immer warm.
Nachdem Lena und ich alles geputzt haben, uns einen Schrank für unsere Kleidung und eine Garderobe gekauft haben, sieht alles schon viel schöner und netter aus.
Im Moment wird auf unser Wohnhaus einfach noch ein Stockwerk drauf gebaut und wenn das fertig ist (angeblich in einem Monat) sollen wir noch ein Zimmer dazu bekommen und auch ein eigenes Bad.
Gestern sind wir das erste mal zu Lourdes nach Cyo mit dem Bus gefahren. Wir hatten Glück und der Bus war nicht sehr voll, es war aber trotzdem so eine typische peruanische Busfahrt wie ich sie mir immer vorgestellt habe, der Bus war relative Schrott und es waren Tiere im Bus, ein Peruaner hatte ein Lämmchen auf dem Arm und an jeder Haltestelle, die man nicht als solche identifizieren konnte, kamen Frauen rein und boten Mais und frisch gepressten Apfelsaft an.
Lourdes unserer Chefin und ihr Mann Martin wohnen sehr schön und sie haben sogar einen eigenen Garten. Lourdes ist eine sehr starke und bestimmte Person, aber ich denke ohne diese Persönlichkeit könnte sie hier nicht die Organisation Estrella del sur leiten.
Heute war ich das erste mal arbeiten, diese Woche besteht meine Arbeit darin ein geistig zurückgebliebenes und anderen Kindern gegenüber ziemlich aggressives Kind zu betreuen. Bei diesem Mädchen handelt es sich um Sharie, die jüngere Tochter von Norma. Der Unterricht ist ganz  schön finde ich, es sind alle bemüht ihn so Waldorf wie möglich zu gestalten. Aber die Zustände der Kinder haben mich sehr geschockt, alle sind dreckig haben teilweise sogar verkrustete Gesichter und Hände und die Kleidung stand fast vor Dreck. Auch habe die Kinder, ich war heute in der 1. Klasse einen sehr aggressive Umgangsform miteinander und man merkt bei den meisten, dass sie Schläge von zuhause gewöhnt sind.
Morgen und Übermorgen fällt die Schule aus, weil die Landbevölkerung gegen die Vorgehensweise der Regierung streikt. Hier findet im Moment richtiger Wahlkampf für die Wahlen Anfang Oktober statt.
Sonst gewöhne ich mich hier sehr gut ein, es ist schön durch den Ort zu laufen und immer öfters auf Bekannte zustoßen. Die Peruaner sind ein sehr herzliches Volk, das fängt bei der Begrüßung an (auch wenn man jemanden nicht kennt, sondern ihn erst kennen lernt, küsst man sich auf die rechte Wange), dann fragen sie sofort wie es einem geht und sind auch sonst sehr an einem interessiert. Man kann also nicht mal eben schnell einkaufen gehen, denn man trifft immer Leute die man kennt und mit denen man sich dann einfach auf der Straße unterhält.
Auch der Markt, der jetzt im Moment täglich ist, ist sehr nett, leider lockt er und die Inkastätte auch viele Touristen an, was meistens dazu führt, dass die Hauptstraße mit Reisebussen verstopft ist.
Und auch an die unhygienischen Zustände hier in jeglicher Form gewöhnt man sich mit der Zeit, dennoch denke ich nicht, dass ich hier jemals aus dem Mercado Fleisch oder ähnliches kaufe.
Hier laufen überall Herrenlose Hunde herum und als wir heute in den Telefonladen gekommen sind, lag einfach einer toter Hund vor dem Thesen, als wie das dann angesprochen haben, wurde dieser einfach genommen und in den Mülleimer geschmissen, das sind eben so Dinge an die man sich auch gewöhnt, in Deutschland wäre die komplette Situation undenkbar gewesen. 
Liebe Gruesse aus Peru
Eure Anna-Lena
ps; ich hoffe es klappt, dass ich hier ein paar Fotos hochlade!


Donnerstag, 16. September 2010

...endlich da...

Hey Leute!
Ich bin gut in Pisaq angekommen, auch wenn die Ankunft mit einigen Turbulenzen verbunden war…
Bis Lima hat alles gut geklappt, aber ab dann ging alles schief. Fast haetten wir in Lima den Flieger verpasst und zu allem Überfluss sind wir nicht wie besprochen vom Flughafen abgeholt worden. Das lag daran, dass der Termin unserer Ankunft anscheinend falsch verstanden wurde… Ja, das war schon mal nicht so toll, aber Lena und ich haben  auch dies hinbekommen und sind mit einem „Taxi“ dann nach Pisaq gefahren, wo wir auch gleich zwei junge Männer gefunden haben, die Mareike (die Freiwillige die schon da war) kannten und uns zu unserem Heim führen konnten.
Das Zimmer teile ich mir mit Lena allerdings haben wir keine Schränke um unsere Sachen zu verstauen, das ist etwas blöd, aber wir werden uns hier dann einfach einen Schrank leisten ;) Unsere Vermieterin Norma ist sehr nett und hat einen kleinen Laden unten im Haus. Sie hat auch eine Waschmaschine, die wir, für Geld, auch benutzen können. Allerdings wäscht sie nur kalt. Zum Duschen haben wir Warmwasser J Man muss aber gut eingewiesen werden, sonst könnte man einen Stromschlag bekommen, da das Wasser mit Strom aufgeheizt wird. Ansonsten ist das Bad nicht besonders sauber, aber ich denke daran gewöhne ich mich noch. Generall ost hier nichts besonderes sauber und die Menschen achten auf dich auf ihre Koerperhygiene.
Durch unser Fenster sehen wir direkt auf die Berge und die Inkastätten von Pisaq. Vorher haben wir uns noch kurz den Kindergarten und die Schule angesehen. Sie liegen auf einem Berg und man läuft von unserem Haus so gute zehn Minuten hin. Lourdes haben wir leider nur ganz kurz gesehen… Arbeiten müssen wir wahrscheinlich dann erst ab nächster Woche, mal sehen… Vorrausichtlich werde ich in der Schule arbeiten und Lena im Kindergarten mit Mareike. Aber auch darüber kann ich nur vermuten.
Die Landschaft ist echt der Wahnsinn! Es ist richtig schön hier. Lamas habe ich auch schon gesehen und überall laufen streunende Hunde herum (was ich nicht so toll finde).
Gut, soweit mal der erste Lagebericht aus Pisaq!
Alles Liebe eure Anna- Lena

Donnerstag, 9. September 2010

Es kann los gehen...

Jetzt, fünf Tage vor meiner Abreise habe ich es auch endlich mal geschafft mir einen Blog zu  zulegen.


Im Moment fühle ich mich etwas durcheinander, es sit ziemlich komisch für ein ganzes Jahr so weit wie möglich im Voraus zu planen und so viele Sachen zu bedenken. Die meisten Dinge habe ich jedoch jetzt, wie zum Beispiel eine neue Treckingausrüstung für die Anden von Peru. Auch für die Kinder war ich schon fleißig einkaufen, wie zum Beispiel Buntstifte, Wachsmaler, Wasserfarben, Luftballons, Klebestifte, Scheren, Seidenpapier, Sticknadeln usw.
Ich hoffe alle Kinder werden sich darüber freuen und ich werde viel Spaß mit ihnen und den Sachen haben.


Aber auch der Abschied fällt mir von vielen wichtigen Menschen schwerer als gedacht.


Bald ist nun mein Tag gekommen, an dem ich über den großen Teich fliegen werde. Ich werde am Dienstag den 14.09.10 umd 22:05 Uhr von Frankfurt aus mit Lena zusammen (die schon im Flieger stitzen wird) nach Sao Paulo fliegen und dort um 05:10 Uhr (Ortszeit - also nach 12 Stunden Flug) ankommen. Nach einer Frühstückspause werden wir dann um 08:25 Uhr den Flieger nach Lima nehmen, von wo wir dann nach 40 min aus weiter nach Cusco fliegen werden, wo wir dann endlich abgeholt werden und nach Pisac gefahren werden. So nun werde ich mal weiter vorbereiten.


Liebe Grüße, Anna-Lena